Ulrich Lupart ist seit fünf Jahren Reuth´s Bürgermeister
Rückblick und Vorschau

Dass ich nicht aus der Gemeinde stamme, sehe ich als Vorteil -
das erleichtert die Gleichbehandlung"

Ulrich Lupart
Foto: Renate Wöllner
 Reuth - Das Schild "Bürgermeister Ulrich Lupart" ziert den  Chef- Schreibtisch im Reuther Gemeindeamt. "Mein Name  wird oft  falsch ausgesprochen oder geschrieben",  begründet der Amtsinhaber,  der vor fünf Jahren zum  ehrenamtlichen Bürgermeister in Reuth  gewählt wurde.
 Luparts Vorgänger war damals aus gesundheitlichen  Gründen  zurückgetreten. "Ich wurde von Gemeinderäten  aufgefordert, zu  kandidieren", erzählt Lupart, der zu  dieser Zeit noch stellvertretender  Bürgermeister in  Oelsnitz war, wo er für die DSU bis heute im Stadtrat  sitzt.
 Weil die Anmeldefrist abgelaufen war, hatten die Reuther  nun die  Möglichkeit, beim Urnengang Luparts Namen auf  den Zettel zu setzen.  "Viele schrieben meinen Namen  falsch, deshalb gab es eine Menge
ungültiger Stimmen.  Gewonnen habe ich trotzdem - mit großer Mehrheit",  blickt der seit der Wende aktive Kommunalpolitiker zurück.
 Mitarbeiterin Carla Kießling hat - auch als Bürgermeisterin  und Hauptamtsleiterin - über 30 Jahre die Luft im  Gemeindeamt geschnuppert. "Herr Lupart ist sehr  emotional, weiß viel und kennt viel. Die Zeit mit ihm ist  sehr bewegt", sagt sie. "Hier schläft keiner", wirft Lupart ein. "Mir ist es lieber so, als umgekehrt", meint Frau Kießling.
"Dass ich nicht aus der Gemeinde stamme, sehe ich als Vorteil an", erklärt der Bürgermeister. So bleibe ein kleiner, aber wichtiger Abstand erhalten. Und so falle es leichter, alle Ortsteile gleich zu behandeln. Lupart denkt dabei an Investitionen wie die Sanierung des Dorfteiches in Dehles - "ohne Fördermittel", den Straßenbau in Mißlareuth und die Erhaltung des Rittergutes, die Straßensanierung in Reuth, den Umbau des Kindergartens und die Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses. "Bei all dem sank die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde um 2000 Euro auf rund 1400 Euro", berichtet er. Bis zum ende seiner Amtszeit 2009 will Lupart die Schulden halbiert haben.
Am 400-Seelen-Dorf Reuth gefällt ihm die Infrastruktur. Hier gibt es Fleischer, Bäcker, Friseur, Ärztehaus, Gasthäuser und Tankstelle, Gewerbetreibende und Landwirtschaft.
Da kommt bei der Gewerbesteuer eine ordentliche Summe zusammen. Ein neues Vorhaben könnte weitere Einnahmen in die Kasse spülen.
Die Firma EST aus Döbeln baut im kommenden Jahr zwei Windkraftanlagen bei Mißlareuth. Mit den drei Anlagen auf bayerischer Seite sowie einer auf Thüringer Gebiet entsteht ein "Dreiländer-Windkraftanlagen-Projekt". Für die Unterstützung bei der Investition von acht Millionen Euro will sich die Firma bedanken - mit Ausgleichsmaßnahmen von rund 100 000 Euro. Darunter sind der erfolgte Abriss der Reuther Ruine, der Bau eines Wasserspiel-platzes für den Kindergarten und ein neuer Großbaum anstelle der maroden Reuther Linde, zählt Lupart auf.
"Was mir noch nicht 100-prozentig schmeckt, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl in den sieben Ortschaften", resümiert Lupart. Tobertitz, Thossen, Schönlind, Dehles, Reinhardtswalde und Mißlareuth sind die zu unterschiedlichen Zeiten eingemeindeten Dörfer. "Ich möchte es vollbringen, in den sieben Jahren als Bürgermeister die Einheitsgemeinde zu bauen, wobei jedes Dorf seine Identität behält."
Mit dem Reuther Lindenfest und der Hundeausstellung aller zwei Jahre hat der umtriebige Kommunalpolitiker im gesellschaftlichen Leben etwas bewegt. Nun denke die Gemeinde daran, 2009 den Tag der Vogtländer auszurichten. Über Luparts Bürgernähe hat eine bunte Illustrierte ihr Loblied gesungen, und ihn flugs zum besten Bürgermeister der Republik ernannt. Gemeindeausfahrten, Rentnerweihnachtsfeier, ein kleines Geschenk für jeden ab dem 70. Geburtstag - all das pflegt er mit Akribie. Auch Kritiker gibt es, die meinen, dass er auf allzu vielen Hochzeiten tanzt.
Tritt Ulrich Lupart, der im November seinen 56. Geburtstag feiert, im Reuther Wahljahr 2009 für den Bürgermeisterposten wieder an? Dazu schweigt er.

Bericht aus dem "Vogtland-Anzeiger" von Freitag, dem 26. Oktober 2007 / Bericht Renate Wöllner
 
Ulrich (54) ist der netteste Bürgermeister Deutschlands


Ganz oben in der Schublade seines Schreibtisches bewahrt Bürgermeister Ulrich Lupart (54) eine wichtige Liste auf. Darauf sind alle älteren Geburtstagskinder seines Ortes Reuth (Vogtland) vermerkt. "Jeder erhält von mir ein kleines Geschenk", zwinkert er. "Und ich komme persönlich vorbei - egal an welchem Tag."
Diesmal ist es ein Sonntag - und Rita feiert den Sechsundsiebzigsten. "Wenn man ein Problem hat, ist er sofort zur Stelle" Sie freut sich über die Blumen, die Ulrich mitgebracht hat. Rita ist voll des Lobes über ihn. "Wenn man ein Problem hat, tritt man bei Herrn Lupart nicht lange auf der Stelle. Er erkundigt sich sogar nach unseren Wehwehchen. Und hilft wo er kann. Zweimal im Jahr organisiert er eine Ausfahrt für uns, im Dezember gibt´s eine Weihnachtsfeier in der Turnhalle der Gemeinde. Stollen, Getränke, Roulade mit Klößen - alles ist umsonst." Ulrich kommentiert das bescheiden: "Das ist nicht nur mein Verdienst. Alleine würde ich das nie schaffen. Ich verdanke das alles den vielen Sponsoren."
Seniorin Rita wohnt übrigens nur einen Steinwurf von einem "Sorgenkind" des Bürgermeisters entfernt. Deshalb klingelt Ulrich Lupart wenig später bei dem herzkranken Siegfried und erkundigt sich nach dessen Befinden. "Das ist eine tragische Geschichte", berichtete uns der Politiker, "Ich erfuhr Ende vorigen Jahres, dass es Siegfried schlecht geht. Er hatte seinen zweiten Herzinfarkt hinter sich, lag im Krankenhaus. Während dieser Zeit zog seine Frau bei ihm aus und räumte die halbe Wohnung leer. Sie hatte einen anderen kennengelernt. Als Siegfried entlassen wurde, hatte er nicht mal ein Schlafzimmer." Jetzt meldet sich Siegfried (52) zu Wort: "Doch dann half unser Bürgermeister. "Trennung, keine Möbel - da sprang er selbstlos ein" Eigentlich ist das ja nicht seine Aufgabe. Aber er schaffte es, den Chef eines Plauener Möbelhauses zu überzeugen, eine neue Schlafstube zu sponsern. Kurz vor dem Christfest konnte ich wieder in einem richtigen Bett schlafen." Wieder winkt Ulrich ab: "Ich habe das gerne getan. Man muss nur hartnäckig sein. Besonders in so einem tragischen Fall. Und es hat sich absolut gelohnt. Ich schaffte es sogar, dass Siegfried noch hochwertige Bettwäsche und eine Federkernmatratze dazu bekam."
Doch der Dorf-Chef macht noch viel mehr. Siegfried erzählt: "Meine Herzleistung liegt derzeit nur noch bei 30 Prozent. Deshalb warte ich auf ein neues Herz. soll an der Uniklinik Jena transplantiert werden. Kürzlich sollte ich zu einer Voruntersuchung dorthin kommen. Wegen meiner angeschlagenen Gesundheit wollte ich mit dem Taxi fahren - doch die Krankenkasse übernahm die Kosten nicht. Da half Ulrich wieder. Er stellte seinen Dienstwagen mit einem Gemeindemitarbeiter als Fahrer zur Verfügung. Ich weiß gar nicht, wie ich ihm das danken kann."
Für Ulrich Lupart ist klar: "Siegfried steht offiziell unter der Obhut unserer Gemeinde." Ebenso wie die älteste Einwohnerin des 1100-Seelen-Ortes. Sie heißt Frieda Kirschner und ist 98 Jahre alt. "Weil Frieda allein in ihrem Haus lebt, schaue ich oft vorbei", sagt Ulrich. "Dann halten wir gerne ein Schwätzchen am Gartenzaun und ich gehe ihr ein bisschen zur Hand. Ich bewundere die alte Dame, wie sie alles noch ganz allein auf die Beine bekommt."
Ulrich Lupart öder Sachse ist ein echter Wohltäter. Das sieht auch der Jugendclub so, den Ulrich unterstützt, wo er kann. "Ohne ihn wären die Lichter schon ausgegangen", loben die Jugendlichen. "Ohne ihn gäbe es unseren Club längst nicht mehr" "Mir bereitet es Freude, wenn sich andere freuen", meint Lupart dazu. Und fügt schmunzelnd an: "Wie habe ich mich amüsiert, als eine Bürgerinitiative aus der Nachbargemeinde mit einer Unterschriftenliste bei mir auftauchte und mich zum Bürgermeister machen wollte. Das ist doch eine Ehre, oder?"
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