![]() |
||||
|
Ulrich
Lupart ist seit fünf Jahren Reuth´s Bürgermeister
|
||||
|
Rückblick
und Vorschau
Dass ich nicht aus der Gemeinde stamme, sehe ich als Vorteil - das erleichtert die Gleichbehandlung" |
||||
|
||||
|
Ulrich
(54) ist der netteste Bürgermeister Deutschlands
|
||||
|
||||
| Ganz
oben in der Schublade seines Schreibtisches bewahrt Bürgermeister Ulrich
Lupart (54) eine wichtige Liste auf. Darauf sind alle älteren Geburtstagskinder
seines Ortes Reuth (Vogtland) vermerkt. "Jeder erhält von mir
ein kleines Geschenk", zwinkert er. "Und ich komme persönlich
vorbei - egal an welchem Tag." Diesmal ist es ein Sonntag - und Rita feiert den Sechsundsiebzigsten. "Wenn man ein Problem hat, ist er sofort zur Stelle" Sie freut sich über die Blumen, die Ulrich mitgebracht hat. Rita ist voll des Lobes über ihn. "Wenn man ein Problem hat, tritt man bei Herrn Lupart nicht lange auf der Stelle. Er erkundigt sich sogar nach unseren Wehwehchen. Und hilft wo er kann. Zweimal im Jahr organisiert er eine Ausfahrt für uns, im Dezember gibt´s eine Weihnachtsfeier in der Turnhalle der Gemeinde. Stollen, Getränke, Roulade mit Klößen - alles ist umsonst." Ulrich kommentiert das bescheiden: "Das ist nicht nur mein Verdienst. Alleine würde ich das nie schaffen. Ich verdanke das alles den vielen Sponsoren." Seniorin Rita wohnt übrigens nur einen Steinwurf von einem "Sorgenkind" des Bürgermeisters entfernt. Deshalb klingelt Ulrich Lupart wenig später bei dem herzkranken Siegfried und erkundigt sich nach dessen Befinden. "Das ist eine tragische Geschichte", berichtete uns der Politiker, "Ich erfuhr Ende vorigen Jahres, dass es Siegfried schlecht geht. Er hatte seinen zweiten Herzinfarkt hinter sich, lag im Krankenhaus. Während dieser Zeit zog seine Frau bei ihm aus und räumte die halbe Wohnung leer. Sie hatte einen anderen kennengelernt. Als Siegfried entlassen wurde, hatte er nicht mal ein Schlafzimmer." Jetzt meldet sich Siegfried (52) zu Wort: "Doch dann half unser Bürgermeister. "Trennung, keine Möbel - da sprang er selbstlos ein" Eigentlich ist das ja nicht seine Aufgabe. Aber er schaffte es, den Chef eines Plauener Möbelhauses zu überzeugen, eine neue Schlafstube zu sponsern. Kurz vor dem Christfest konnte ich wieder in einem richtigen Bett schlafen." Wieder winkt Ulrich ab: "Ich habe das gerne getan. Man muss nur hartnäckig sein. Besonders in so einem tragischen Fall. Und es hat sich absolut gelohnt. Ich schaffte es sogar, dass Siegfried noch hochwertige Bettwäsche und eine Federkernmatratze dazu bekam." Doch der Dorf-Chef macht noch viel mehr. Siegfried erzählt: "Meine Herzleistung liegt derzeit nur noch bei 30 Prozent. Deshalb warte ich auf ein neues Herz. soll an der Uniklinik Jena transplantiert werden. Kürzlich sollte ich zu einer Voruntersuchung dorthin kommen. Wegen meiner angeschlagenen Gesundheit wollte ich mit dem Taxi fahren - doch die Krankenkasse übernahm die Kosten nicht. Da half Ulrich wieder. Er stellte seinen Dienstwagen mit einem Gemeindemitarbeiter als Fahrer zur Verfügung. Ich weiß gar nicht, wie ich ihm das danken kann." Für Ulrich Lupart ist klar: "Siegfried steht offiziell unter der Obhut unserer Gemeinde." Ebenso wie die älteste Einwohnerin des 1100-Seelen-Ortes. Sie heißt Frieda Kirschner und ist 98 Jahre alt. "Weil Frieda allein in ihrem Haus lebt, schaue ich oft vorbei", sagt Ulrich. "Dann halten wir gerne ein Schwätzchen am Gartenzaun und ich gehe ihr ein bisschen zur Hand. Ich bewundere die alte Dame, wie sie alles noch ganz allein auf die Beine bekommt." Ulrich Lupart öder Sachse ist ein echter Wohltäter. Das sieht auch der Jugendclub so, den Ulrich unterstützt, wo er kann. "Ohne ihn wären die Lichter schon ausgegangen", loben die Jugendlichen. "Ohne ihn gäbe es unseren Club längst nicht mehr" "Mir bereitet es Freude, wenn sich andere freuen", meint Lupart dazu. Und fügt schmunzelnd an: "Wie habe ich mich amüsiert, als eine Bürgerinitiative aus der Nachbargemeinde mit einer Unterschriftenliste bei mir auftauchte und mich zum Bürgermeister machen wollte. Das ist doch eine Ehre, oder?" |
||||